Monthly Archives: October 2010

Antalya und Belek

22 October 2010
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Der Vorfall wirft auch andere Fragen auf nämlich den der Doppelmoral. Zunächst einmal haben wir Europäer es längst vergessen, dass man sich als Gast den Gepflogenheiten des Landes anpassen sollte, das man gerade besucht. Das betrifft dann eben auch die Kleidung. Es wird dem Besucher jedoch eine solche Anpassung erschwert, wenn es solche “moralischen Enklaven der Ausnahme” gibt wie eben Antalya und Belek. Vor lauter Devisengeilheit ist man bereit nicht mehr so genau hinzusehen, sollen die Touristen dort doch machen was sie wollen, Hauptsache sie lassen ihre Kohle da. Ein paar Kilometer weiter herrscht noch ein anderes moralisches Gefüge; Minirock, Bikini und Alkohol in der Öffentlichkeit sind da undenkbar. In den Touristenzentren ist Allah wohl eher bereit ein Auge zuzudrücken. Das ist aber beileibe kein ausschliessliches Problem des Islam, wer Karlheinz Deschners “Kriminalgeschichte des Christentums” gelesen hat, weiss wie sehr die christliche Kirche bereit ist eigenes Dogma zu verbiegen, solange es dem eigenen wirtschaftlichen Vorteil dient. Sollte es im vorliegenden Fall überhaupt zu einer Verurteilung kommen, dann vielleicht nach fiktivem “Antalya-Recht”, wo so manches eben nicht mehr unbedingt Unrecht ist. So ganz nebenher stellt sich auch die Frage, ob nach britischem Recht für die Eltern des Mädchens nicht so etwas wie die “Verletzung der Aufsichtspflicht” gilt. Es mag jeder für sich selbst entscheiden, ob er seine 13jährige Tochter im fremden Land machen lässt was sie will. Zumindest für mich ist dann eine spätere Anzeige wegen sexueller Belästigung auch schon wieder Doppelmoral…

Online Games – Zeitfresser oder nicht?

16 October 2010
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Was kann alles passieren, wenn man zum ersten Mal das World Wide Web betritt? Man schwört sich, es nur zu Recherchezwecken zu benutzen und richtet Wikipedia als Startseite ein; ein Pop-Up zu „Gondal World“ blinkt mit einem Mal um Aufmerksamkeit. Man versteht das Internet als Kommunikationsform und registriert sich bei zwei, drei Social Networks; als Belohnung wird das Spiel „Farmville“ empfohlen. Man verzichtet auf den Papiermüll und unnötige Kosten und verlinkt sich mit einem Nachrichtenportal, zwischen den Informationen wird eine Partie Mahjong eingelegt.
Man hat die besten Absichten, doch durchkreuzt werden sie: von einem Online Game. Visuell kreischende Fenster, bunte Seitenhintergründe, blinkende Links und die ganz alltägliche eigene Neugier. Seit wann lassen wir uns so leicht ablenken? Geben wir jetzt jeder kleinen Versuchung nach? Porsche verbietet seinen Mitarbeitern das Chatten auf Facebook und in ähnlichen Netzwerken, offiziell wegen der Spionagegefahr durch die Konkurrenz. Vielleicht aber vor allem wegen des hohen Suchtfaktors der Spiele?
Online Games sind wie Chips: man kann einfach nicht aufhören. Aber wieso ist das eigentlich ein Problem? Sie machen nicht dick, sie schädigen nicht die Gesundheit, sie verschlingen kein Geld und verhindern den langsamen, aber sicheren Tod durch Langeweile und Arbeitsüberdruss. Sie helfen dabei, sich abzureagieren. Sie fördern den sozialen Zusammenhalt, denn erstens befindet sich der Kollege im Büro nebenan mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls in der virtuellen Welt, und zweitens kann der Spiele- Abstinenzler in der Mittagspause nicht mitreden.
Das Angebot ist groß und wächst mit jeder Stunde. Welten, von denen man nicht zu träumen wagte, stehen jedem mit Schlafproblemen offen. Unkreative, festgefahrene Opfer des Alltags trainieren virtuell Soft Skills und neue Strategien. Vereinsamte, Schüchterne und Kranke finden Zugang zu Leidensgenossen und Lebensfrohen. Was steht den Vorteilen entgegen? Die möglichen Auswirkungen von Ballerspielen? Die Internetkosten? Die eventuelle Schädigung einer Kinderseele? Oder doch nur der Zeitfaktor?
Die Furcht der Chefs und Eltern ist nicht unbegründet: die Gefahr, sich ablenken zu lassen und immer mehr zu versinken ist nicht klein. Doch ein schlichtes Verbot ist, wie immer, nicht die Lösung: warum also nicht einfach mitspielen, eine Auszeit nehmen, mit Angestellten und Kindern in der neuen Welt kommunizieren und sie so mehr an sich und ihre Arbeit binden? Möglicherweise aus Angst, sich selbst an die neue Droge zu verlieren? Dieses Risiko muss wohl eingegangen werden; das ist es wert.